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Ehrenamt ist seine Passion
ZV Präsident Harald Esser im Interview mit FMFM.de

Neben seinem eigenen Salon Esser&Esser, den er in Köln mit seiner Frau betreibt, ist Harald Esser nicht nur seit 4 Jahren Präsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, sondern auch Vorstandsmitglied im Spitzenverband der deutschen Handwerksverbände sowie Ehrenpräsident der Kölsche Figaros. Mit viel Engagement, Liebe und Leidenschaft für seinen Beruf setzt sich Harald Esser seit Jahrzehnten für die Friseurbranche ein. Dass das Amt des Zentralverband-Präsidenten dabei nicht immer ein bauchgepinseltes Zuckerschlecken ist, weiß der erfolgreiche Friseurunternehmer nur allzu gut. Wie er gelernt hat, mit destruktiver Kritik umzugehen, die leider auch schon mal „unter die Gürtellinie“ geht sowie alles zur Ist-Situation rund um die Verbandpolitik hat uns der sympathische Kölner im Rahmen der Obermeistertagung in Darmstadt verraten.

Herr Esser, Sie sind ein Mann des Ehrenamtes. Welches gefällt Ihnen besser: „Präsident des Zentralverbands“ oder der „Kölsche Figaros“ zu sein?
Beide Positionen sind mein Reich, im Zentralverband ist es lustiger als viele glauben.

Was motiviert Sie, in diesen vielen Ehrenämtern täglich aufs Neue aufzugehen?
Ich bin schon sehr lange ehrenamtlich in der Friseurbranche tätig, sodass ich in meine derzeitige Funktion kontinuierlich reinwachsen konnte. Es ist eine schöne Aufgabe, sich für unseren schönen Beruf zu engagieren und etwas zu bewegen.

Wie gehen Sie mit öffentlicher Kritik um, mit der der Zentralverband beispielsweise in den Sozialen Medien immer wieder auf das Härteste konfrontiert wird?
Ich habe nichts gegen konstruktive Kritik! Im Gegenteil! Im Prinzip wollen wir Friseure doch alle das gleiche erreichen: unserem Beruf den Stellenwert zu geben, den er verdient. Jegliche Form von Kritik - ob konstruktiv oder destruktiv - versuche ich nicht persönlich zu nehmen, sondern mir bewusst zu machen, dass diese sich gegen mein Amt richtet und nicht gegen mich. Jede ehrenamtliche Position bringt nicht nur immer Licht, sondern auch Schatten. Aber es macht mir trotzdem viel Spaß, wenn auch nicht immer Freude…

Wie schaffen Sie es, diese Einstellung zu halten?
In erster Linie muss ich hier meiner Familie für ihre Unterstützung danken. Meine Frau ist die tragende Kraft in unserem Salon und hält mir für meine Tätigkeiten außerhalb des Geschäfts den Rücken frei. Außerdem haben wir gute und verlässliche Mitarbeiter und Azubis. Dennoch lege ich großen Wert darauf, zwei bis drei Tage die Woche selbst im Geschäft zu stehen, um die Basis nicht zu verlieren.

In 2017 hatte der ZV viele neue Projekte auf seiner Agenda. Was ist mittlerweile aus ihnen geworden, z. B. dem Bündnis mit Verdi und dem Bundesfinanzministerium gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung? Schon Erfolge zu verbuchen?
Im Bündnis mit Verdi und dem Bundesfinanzministerium konnten wir die Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung bundesweit kontrollieren. Darüber hinaus konnten in vielen Landesverbänden Abschlüsse mit Verdi getroffen werden, sowohl bei den Gehältern als auch bei den Vergütungen für die Auszubildenden. Auf Bundesebene führen wir die Tarifgespräche mit Verdi seit Anfang Februar weiter. Besonders stolz bin ich darauf,  den Bachelorstudiengang Beauty-Management erfolgreich installiert zu haben. Das alles schafft ein positives Image für uns Friseure.

Wie ein Boomerang landete die Friseurbranche im vergangenen Jahr immer wieder in den Negativschlagzeilen der Medien, vor allem wegen ihrer geringen Ausbildungsvergütungen in Sachsen-Anhalt. Das scheint sich in 2018 fortzusetzen, wie kürzlich in einem Tagesthemen-Beitrag zu sehen war, auf den Sie ja mit einem Schreiben an die Redaktion entsprechend reagiert haben. Schon irgendwelche Antworten erhalten?
Wir werden nicht akzeptieren, dass Vorurteile gegenüber unserem Beruf, egal von wem, in die Öffentlichkeit geraten, ohne dass Fakten die Grundlage bilden. Fake-News haben auch im Friseurhandwerk nichts zu suchen. Ich bin sicher, wir werden auch mit den Tagesthemen darüber sprechen.

Was hat sich der ZV in 2018 gemeinsam mit seinem Sozialpartner Verdi vorgenommen? Wie gehen die Gespräche bezüglich eines Branchenmindestlohns und einer bundesweit einheitlichen Ausbildungsvergütung voran?
Ziel ist, dass das Friseurhandwerk nicht länger als Mindestlohnbranche dargestellt wird. Uns geht es um einen sichtbaren Abstand. Zugleich muss den Landesverbänden, als Verantwortliche, die Möglichkeit gegeben werden, die Tarifpolitik flexibel zu gestalten.

In einem Interview auf der ZV-Homepage fordern Sie alle Friseure auf, sich für ihren Beruf vor Ort in der Kommunalpolitik, in Parteien, Verbänden, Innungen und Organisationen zu engagieren. Viele unserer User und FMFM-Artists tun dies bereits mit einem beispiellosen Engagement, kämpfen dabei aber immer wieder gegen Windmühlen. Was können Sie diesen Friseuren empfehlen, die schließlich alles dafür tun wollen, dass das Image der Branche wieder ins rechte Licht gerückt wird?
Ich sehe die Rolle des Handwerks in der deutschen Öffentlichkeit, also auch die des Friseurhandwerks, nicht ganz so kritisch. Unsere Ansprechpartner, egal wo in der deutschen Politiklandschaft, schätzen die Wirtschafts- und Ausbildungsleistung unserer Betriebe. Und: Schönheit steht hoch im Kurs. Die Nachfrage nach unserer Dienstleistung ist auch im Jahr 2017 deutlich gestiegen. Wir haben täglich ca. 1 Mio. Kunden. Da können alle Friseure stolz drauf sein.

Thema Ausbildung und Personal. Das brennt unseren Usern mehr und mehr unter den Nägeln. Welche Maßnahmen will der ZV zeitnah ergreifen, um die duale Ausbildung für junge Menschen attraktiver zu machen und ihnen die Karrieremöglichkeiten zu verdeutlichen? Was halten Sie z. B. von einer Medien-Kampagne seitens des ZV?
Diese gibt es bereits. Und zwar sind wir als Friseure zentraler Bestandteil der Kampagne des Gesamthandwerks. Dafür werden mehrere Millionen Euro eingesetzt. Auf der tariflichen Seite haben wir die Ausbildungsvergütungen attraktiver gestaltet und auch Karrierewege mit Aufstiegschancen bis hin zum Bachelorabschluss Beauty-Management sind seit 2017 möglich. Darauf wollen wir uns nicht ausruhen, sondern sind in das Jahr 2018 mit dem Obermeisterseminar 2018 in Darmstadt gestartet, um über eine Reform unseres beruflichen Bildungssystems zu diskutieren.

Über Aktivitäten der Industrie hinsichtlich einer privaten Friseurausbildung zeigt sich der ZV ja nicht gerade amüsiert. Was haben Sie konkret dagegen?
Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn ein Lehrling sich zusätzlich zur dualen Ausbildung privat weiterbildet. Das habe ich damals auch während meiner Friseurausbildung in Anspruch genommen. Wir müssen aber sicherstellen, dass die duale Ausbildung und die damit verbundenen gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Das ist unsere Aufgabe. Bedenken Sie auch, dass wir mit diesem Bildungssystem auch die wirtschaftliche Struktur des Friseurhandwerks absichern.

Was kann Ihrer Meinung nach dazu beitragen, die Motivation der Azubis, die Berufsschule zu besuchen, verbessern?
Wir haben hier in Köln die Erfahrung gemacht, dass es schon mal viel bringt, wenn Ausbilder und Berufsschullehrer sich regelmäßig über den Lehrling/Schüler austauschen. Die Innungen müssen da dringend flächendeckend aktiv werden. Der Ausbilder sollte unbedingt informiert werden, wenn der Schüler nicht zum Unterricht erscheint oder die Leistungen nicht bringt. Somit ist eine gewisse Kontrolle gewährleistet und der Lehrling weiß, er muss sich am Riemen reißen, um seinen Ausbildungsplatz nicht zu verlieren. Der Azubi fühlt sich „an die Hand genommen“ und ist oftmals motivierter als wenn sich niemand um ihn kümmert.

Was ist ihr größter Wunsch für unsere Branche in 2018?
Dass die über 80.000 Friseurunternehmen in Deutschland sich ihrer Stärke bewusst werden, erfolgreich am Markt agieren können und weiter von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren. Natürlich erhoffe ich mir ein verstärktes Engagement für den Beruf. Ich bin bereit für den Dialog!

Das Interview finden Sie auch auf fmfm.de